Fensterplatz

Fensterplatz

Dieses eine Lied. Die Berge, das Wasser, das Fenster und ich. Eine Priese Aufrichtigkeit. Zu wem soll ich denn ehrlich sein, wenn nicht einmal zu mir selbst?
Regentropfen schlagen hart gegen die Scheibe des fahrenden Zuges.
Schließlich wusste ich schon lange, dass irgendwann dieser Zeitpunkt kommen würde. Dass du jemanden findest, jemanden, mit dem du am Liebsten all deine Zeit verbringen möchtest. Dass du dich ohne zu Zögern umdrehst und wahrscheinlich nicht mehr so schnell zurück kommst. Vielleicht hätte ich es verhindern können, wenn ich im richtigen Augenblick die richtigen Worte gefunden hätte. Wenn meine Unsicherheit mir nicht alle Türen zugehalten hätte. Aber ich bereue es nicht und bin mir sicher, dass es genauso kommen sollte. So ein besonderer Mensch wie du verdient einen noch viel besonderen Menschen an seiner Seite und du scheinst ihn gefunden zu haben. So ironisch das auch klingen mag, ich wünsche euch nur das Beste.
Der Regen prasselt auf meine Gedanken ein. „Heuchlerische Lügen“, schreien die Tropfen.
Alle sagen immer, Liebeskummer täte weh. Das stimmt nicht. Oder Liebeskummer ist bei mir die falsche Bezeichnung, denn in Liebeskummer steckt das Wort Liebe und Liebe beruht auf Gegenseitigkeit, nicht auf Einseitigkeit. Der Teil, den du in meinem Herzen eingenommen hast, ist immer noch da. Er ist nur irgendwie schwächer, gedämpft. Es ist so, als würde man sich an eine wunderschöne Zeit erinnern, die nun beendet ist. Wehmut und Sehnsucht. Die Frage ist nur, wie kann ich etwas vermissen, was niemals passiert ist? Etwas erneut wollen, was nie da war?
Ich verfolge mit meinem Blick, wie ein Regentropfen langsam die Scheibe herunterrinnt.
Wahrscheinlich ist einfach diese Illusion verschwunden, dass aus der 1.Person Singular noch die 1.Person Plural wird. Dieses viel zu große Hoffen, dass sich das Märchen in meinem Kopf in die Wirklichkeit verwandelt. Ja, ich war eine Idiotin, eine verträumte Idiotin. Aber auch eine glückliche Idiotin.
Erst rollt der Tropfen ganz langsam die Scheibe herunter.
Jetzt bin ich das nicht mehr, eine Idiotin vielleicht schon noch, aber nicht mehr ganz so glücklich. Aber auch nicht traurig. Ich habe wegen dir keine Träne vergossen und das ist auch gut so. Zwischen uns hat sich nichts geändert, nur in mir, und das spielt für dich keine Rolle.
Der Tropfen wird immer schneller. Gleich ist er am unteren Teil der Scheibe angekommen. Doch kurz vorher trifft er auf einen anderen Tropfen, sie vereinen sich und werden gemeinsam langsamer.
Und auch wenn die wunderschöne Illusion und ich jetzt getrennte Wege gehen, glaube nicht, dass eine Träumerin jemals aufhört zu träumen.

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Traumliste

Heute vor genau einem Jahr habe ich mir eine Liste geschrieben mit all den Dingen, die ich in meinem Leben machen oder erreichen möchte. Erst war es ein DinA5 Blatt mit viel Platz zwischen den Zeilen. Dieser Platz wurde schnell ausgefüllt, bis schließlich auch die Rückseite des Blattes eng beschrieben war. In dem einen Jahr, in dem ich diese Liste jetzt schon habe, auf einem Stück Papier und mindestens genauso deutlich in meinem Herzen, konnte ich genau 3 Punkte abhaken. Sternschnuppen sehen, in ein Musical am Broadway gehen und (ja tatsächlich) einen Blog schreiben.
3 erfüllte Wünsche gegen zig unerfüllte, eigentlich ist das nichts.
Aber es ist wichtig, seine jetzigen Träume festzuhalten für eine Zeit, in der Träumen nicht vorstellbar ist, auch wenn diese Zeit jetzt nicht vorstellbar ist. Was darf man überhaupt noch, wenn man nicht einmal mehr träumen darf?

Spiegelung

Wenn ein Mensch aufhört zu träumen, hört er auf zu existieren. Er ist nur noch ein Spiegelbild seiner selbst. Seine Lebendigkeit ist längst verschwunden. Und ich will nicht bloß ein Spiegelbild sein, ich will leben.

Abzweigungen

Sie steht im Wald, umgeben von unzähligen Bäumen, die sie überragen. Dunkelheit droht sie zu ersticken, verschlingt ihren weiteren Weg.
Eigentlich kennt sie sich hier aus. Oder sollte sich zumindest auskennen.
Aber woher soll sie wissen, welche die richtige Abzweigung ist, wenn sie nicht weiß, wo es hingehen soll?
Woher soll sie wissen, wie weit sie gehen muss, wenn sie nicht weiß, wo das Ziel ist?
Woher soll sie wissen, welche Hindernisse real sind, wenn einige von ihren Ängsten erschaffen werden?

Abzweigung

Ohne eine Richtung zu kennen, rennen ihre Füße los. Sie schreit ihnen zu, sie sollen anhalten, doch sie gehorchen nicht.
Und dann stehst du da, am Wegrand. Und sie kann den Weg einfach nicht verlassen. Ihre Hand reicht nicht bis zu dir und du kannst sie nicht hören.
Nun sind da noch mehr Gesichter. Schneller und schneller gleiten sie an ihr vorbei. Geliebte Gesichter werden zu Fratzen, die sie nur panikerfüllt anstarren. Ein letztes Mal will sie in deine Augen schauen, aber ihre Füße rennen davon. Weiterhin ohne das Ziel zu kennen.

Vielleicht

Vielleicht

Vielleicht werden wir eines Tages erzählen, anstatt zu berichten
Sehen, anstatt zu schauen
Lachen, anstatt zu lächeln
Lieben, anstatt zu mögen
Leben, anstatt zu überleben
Nachdenken, anstatt zu überdenken
Verstehen, anstatt zu lernen
Rennen, anstatt zu laufen
Schreien, anstatt zu rufen
Abschließen, anstatt aufzugeben
Schweigen, anstatt die Stille zu ertragen
Und ganz vielleicht werden wir das sogar gemeinsam