Das Meer meiner Tränen

Das Meer meiner Tränen (2)

Wir segeln auf dem Meer meiner Tränen.
Die Zeit wurde von einer Windböe weggefegt.
Mir hat keiner gesagt, dass es einfach sein würde Kurs zu halten, aber es hat mich auch niemand gewarnt, wie schwierig sein würde. Zum Glück weißt wenigstens du, was bei Gegenwind zu tun ist. Du erzählst mir von schlimmeren Unwettern und ich bin froh, nicht alleine zu sein.
Dank dir ist das Meer nicht mehr so tief und beängstigend. Dank dir weiß ich, dass man das Land aus den Augen verlieren muss um neues zu entdecken. Dass ich hier richtig bin. Weil Schiffe nicht dafür gemacht sind, im Hafen zu bleiben.

Das Meer meiner Tränen (1)

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Im Kerzenschein

Im Kerzenschein

Vor mir das Blatt Papier. Der Traum liegt zersplittert am Boden.
Mein Schreibtisch im Kerzenschein. Die Sehnsucht schwimmt im Fluss des Lebens. Die Zeit zwischen heute und damals ertrinkt.
Der Füller in meiner Hand. Zeit für einen Brief voller Wahrheit an dich.
Die Füllerspitze senkt sich in Richtung Papier.
Eigentlich wollte ich nicht mehr mit dir über meine Gefühle sprechen. Aber jetzt gerade ist das einzige, was ich will, deine Arme an meinem Rücken zu spüren. Und meine an deinem. Jede einzelne Stelle spüren, an der sich unsere Körper berühren. Deinen Geruch einatmen und darin untergehen. Das Pochen deines Herzen spüren, ruhig und regelmäßig, so dass auch meins wieder weiß, in welcher Geschwindigkeit normale Herzen schlagen. Ich will mich endlich wieder so geborgen fühlen, wie ich es nur in deinen Armen konnte. Aber ich weiß, dass das nicht geht. Selbst wenn du hier sein würdest, könnte es nie mehr so werden wie immer. Die Wut würde aufkochen und ich würde dich wegstoßen wegen dem, was du getan hast. Was du mir angetan hast.
In den Stunden, in denen nur noch eine Kerze mein Zimmer erhellt, verstehe ich für einen Moment die Gründe für dein Handeln. Die Wut wird überschattet von Trauer. Das Unverständnis erleuchtet von Erkenntnis. Manchmal bewirkt die Wärme des Lichts eine ganz eigene Art des Verzeihens. Flüstert mir ein, dass ich dasselbe tun könnte. Aber sobald ich das Vogelgezwitscher höre, ist da wieder die Wut und ich bin erschrocken, wie gut ich dich in der Nacht verstanden habe.
Ja, ich begreife manchmal nicht diese Sache, die Leben genannt wird. Dir ging es wahrscheinlich genauso. Doch durch dich habe ich gelernt, dass alles seinen Preis hat. Aber auch seinen Wert.
Der Füller in meiner Hand zittert. Das Papier ist immer noch leer. Ohne dich haben die Worte  keinen Sinn mehr. Worthülsen – Ummantelungen einer Wahrheit, die nie ausgedrückt werden kann.  Die Wörter werden zu Wendeltreppen, die immer weiter ins Dunkel führen.
Ich falte das leere Papier und stecke es in den bereits beschrifteten Umschlag. Könntest du ihn jemals öffnen, würdest du verstehen.