Der erste Schritt

Ich gehe den ersten Schritt.
Die Stille legt sich über mich. Deckt mich zu.
Behagliche Eiseskälte. Der Schnee knirscht unter meinen Schuhsohlen.
Erfrorene Gedanken an dich.
Silber glitzernder Staub fällt von den Bäumen.
Eine leise Windböe. Verlorene Erinnerungen.
Der Blick zurück. Nicht alleine meine Spuren. Gemeinsam.
Optimistische Einsamkeit.
Spuren verwehen. Wiederholung dessen, was war?
Wandernde Sehnsucht.
Kreuzung. Abzweigungen. Wie deine.
Falsche Wahrheiten.
Vor mir der Schnee. Unberührt. So unschuldig.
Schluckendes Zögern. Die kalten Finger der Bäume.
So weit gelaufen.
Eisklare Entscheidungen.
Ich gehe den ersten Schritt.

Beschneite Gedanken

Muster

Muster1

Vorwurfsvoll sagt er ihr, dass sie sich verändert hätte. „Zum Glück“, sagt sie.
Ihr war egal, wo sie war, Hauptsache dabei. Egal, wie sie war, Hauptsache beliebt. Freiwillig trug sie eine falsche Uniform. Um jeden Preis ins Muster passen.
Jetzt tanzt sie immer noch, aber nicht auf Partys, auf denen sie ist, um dazu zu gehören, sondern aus der Reihe. Sie lacht immer noch, aber nicht mit Leuten, deren Mund erst lächelt und dann lästert. Sie redet immer noch, aber nicht über Dinge, die sie gar nicht interessieren.
Sie läuft nicht mehr mit, sondern davon.
Und wenn wegen ihr die ganze Konstruktion zusammenbricht, ist sie stolz darauf. Wenn die Fassade einstürzt, die Fassade der fröhlichen Gesichter von traurigen Mädchen. Sie wollte nicht mehr glücklich aussehen, sie wollte glücklich sein. Über den Wolken zu schweben ist gar nicht so schwer. Und welcher freigelassene Vogel fliegt schon zurück in seinen Käfig?
Schwarz-weiß in einer Welt voller Farbe. Weniger bunt, weniger glamourös, dafür mit mehr Kontrasten, echter. Sie bestimmt das Muster. Und manchmal ist sie gerne gepunktet in einer Welt voller Streifen.

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Die rechteckigen Lichter werden kleiner

Die Schlange vor dem Glastor wird länger. Immer mehr müde New Yorker, die nach einem langen Tag froh sind, das Büro verlassen zu können, reihen sich hintereinander auf. Menschen, die glücklich sind, der Enge Manhattans zu entfliehen und die Ruhe zu Hause genießen zu können. Das kaltweiße Licht in dem Raum verdrängt die letzten Sonnenstrahlen von draußen. Um diese Uhrzeit sind hier nur noch wenige Touristen. Zumindest kommt es mir so vor.
In dem Moment, indem die Sonne erlischt, kommt die Fähre an. Ich stelle mich an die Reling und frage mich sofort, wie so viele sich ins Innere der Fähre setzen können ohne die Aussicht zu genießen. Wie schnell das Außergewöhnliche doch zur Routine wird.
Die hell erleuchteten Hochhäuser bilden auf dem dunklen Wasser eine neue, ganz eigene Welt. Diese spiegelt eine Wärme wieder, die die Stadt auf den ersten Blick gar nicht ausstrahlt. Endlich atme ich Luft ein, die nicht mehr so stickig ist, wie in den Gassen der Wolkenkratzer.
Die rechteckigen Lichter werden kleiner und kleiner, bis man die Hochhäuser schließlich zwischen den Fingern halten kann. Um alle Stockwerke zu überblicken, muss man den Blick nicht stetig nach oben richten, sondern kann ihn einfach gerade halten.
Wann hast du dich das letzte Mal von der Schönheit überwältigt gefühlt? Wann hast du das letzte Mal gelacht, bis die der Bauch wehtat? Wann hast du das letzte Mal einfach das gemacht, was du wolltest, ohne auf die anderen zu hören?
Für mich wird es wieder Zeit. Die Freiheitsstatue weist mir den Weg und ich drehe mich um. Wende mich ab von den anziehenden Leuchttürmen Manhattans, hin zur anderen Seite, in die Dunkelheit.

Rechteckige Lichter