3 Blöcke befreiender Regen

Befreiender Regen

Wir ignorieren, dass das Orange der Ampel sich längst im Bach auf der Straße spiegelt. Lassen uns gerne anhupen. Nach 2 Schritten steht das Wasser in meinen Schuhen. Ich beachte den Straßenhändler nicht, der mir einen überteuerten Regenschirm anbietet. Genieße jeden einzelnen Regentropfen auf meiner Haut. Ich lächle dich an. Liebe deinen verschmitzten Blick. Also los. 3 Blöcke befreiender Regen.
So leer habe ich den Central Park noch nicht gesehen. Einzig und allein ein Brautpaar kommt uns entgegen. Sie hält ihre weißen Schuhe in der Hand und trägt stattdessen Gummistiefel. Wahrscheinlich hatten sie sich ihre Hochzeit anders vorgestellt. Aber sie lächelt, strahlt ihn an.
Wir klettern auf die Felsen, rutschen dabei ab und lachen über uns. Sind wie euphorische Kinder, als wir die beste Aussicht gefunden haben. Wir sehen in die Fensterfronten, die nun nicht mehr an den Wolken kratzen, sondern von ihnen umhüllt sind. Die merkwürdige Stille, die uns umgibt, möchte die Magie des Augenblicks unterstützen. Ich spüre deinen warmen Atem im meinem Nacken. Du wirst niemals verstehen, was mir dieser kleine Moment bedeutet. Aber ich will, dass du weißt, auch wenn das hier bald vorbei sein wird, es waren niemals bloß leere Worte.

Der Bach auf der Straße

Fensterplatz

Fensterplatz

Dieses eine Lied. Die Berge, das Wasser, das Fenster und ich. Eine Priese Aufrichtigkeit. Zu wem soll ich denn ehrlich sein, wenn nicht einmal zu mir selbst?
Regentropfen schlagen hart gegen die Scheibe des fahrenden Zuges.
Schließlich wusste ich schon lange, dass irgendwann dieser Zeitpunkt kommen würde. Dass du jemanden findest, jemanden, mit dem du am Liebsten all deine Zeit verbringen möchtest. Dass du dich ohne zu Zögern umdrehst und wahrscheinlich nicht mehr so schnell zurück kommst. Vielleicht hätte ich es verhindern können, wenn ich im richtigen Augenblick die richtigen Worte gefunden hätte. Wenn meine Unsicherheit mir nicht alle Türen zugehalten hätte. Aber ich bereue es nicht und bin mir sicher, dass es genauso kommen sollte. So ein besonderer Mensch wie du verdient einen noch viel besonderen Menschen an seiner Seite und du scheinst ihn gefunden zu haben. So ironisch das auch klingen mag, ich wünsche euch nur das Beste.
Der Regen prasselt auf meine Gedanken ein. „Heuchlerische Lügen“, schreien die Tropfen.
Alle sagen immer, Liebeskummer täte weh. Das stimmt nicht. Oder Liebeskummer ist bei mir die falsche Bezeichnung, denn in Liebeskummer steckt das Wort Liebe und Liebe beruht auf Gegenseitigkeit, nicht auf Einseitigkeit. Der Teil, den du in meinem Herzen eingenommen hast, ist immer noch da. Er ist nur irgendwie schwächer, gedämpft. Es ist so, als würde man sich an eine wunderschöne Zeit erinnern, die nun beendet ist. Wehmut und Sehnsucht. Die Frage ist nur, wie kann ich etwas vermissen, was niemals passiert ist? Etwas erneut wollen, was nie da war?
Ich verfolge mit meinem Blick, wie ein Regentropfen langsam die Scheibe herunterrinnt.
Wahrscheinlich ist einfach diese Illusion verschwunden, dass aus der 1.Person Singular noch die 1.Person Plural wird. Dieses viel zu große Hoffen, dass sich das Märchen in meinem Kopf in die Wirklichkeit verwandelt. Ja, ich war eine Idiotin, eine verträumte Idiotin. Aber auch eine glückliche Idiotin.
Erst rollt der Tropfen ganz langsam die Scheibe herunter.
Jetzt bin ich das nicht mehr, eine Idiotin vielleicht schon noch, aber nicht mehr ganz so glücklich. Aber auch nicht traurig. Ich habe wegen dir keine Träne vergossen und das ist auch gut so. Zwischen uns hat sich nichts geändert, nur in mir, und das spielt für dich keine Rolle.
Der Tropfen wird immer schneller. Gleich ist er am unteren Teil der Scheibe angekommen. Doch kurz vorher trifft er auf einen anderen Tropfen, sie vereinen sich und werden gemeinsam langsamer.
Und auch wenn die wunderschöne Illusion und ich jetzt getrennte Wege gehen, glaube nicht, dass eine Träumerin jemals aufhört zu träumen.