Großstadtflut

Großstadtflut

Ich laufe durch die Stadt. Wo soll ich hin?
Die höchsten Hochhäuser in allen Lagen.
Sie drohen mich zu erschlagen.
Ich weiß nicht, wo ich bin.
Kalte Großstadtlichter versuchen mich zu ertränken.
Menschen und Pflanzen auf engstem Raum.
Werbetafeln versuchen Blicke auf sich zu lenken.
Der Traum einer perfekten Stadt bleibt Schaum.
So hell und doch so dunkel.
Entflammt. Entlarvt. Enttäuscht.

Laute Musik zieht ins Zentrum hinein.
Viel zu viele Menschen. Hektisches Treiben.
Kein Platz zum Bleiben.
Fühle mich erschreckend klein.
Verzehrter Musik- und Stimmenschall.
Aufgesetzte Fröhlichkeit und Heiterkeit, die alles überragen.
Schicke Kostümchen überall.
Hier werden Masken zur Schau getragen.
So laut und doch so leise.
Geliebt. Gehasst. Gefangen.

Häuser, kilometerhoch scheint es mir.
Wohnungen wie Schuhschachteln übereinander gebaut.
Kein Fenster, aus dem man hätte rausgeschaut.
Wände dünner als ein Blatt Papier.
Nachbarn hören mich lachen, schreien und weinen.
Aber sie haben keine Lust zu fragen.
Sie haben ihre eigenen Aufgaben, was sie auch seien.
Eigene Aufgaben, an denen sie verzagen.
So groß und doch so klein.
Aufgereiht. Aufgetürmt. Aufgegeben.

Kein Raum für Ideen.
Gedanken jagen.
Gewissensbisse plagen.
Niemand versucht mich zu verstehen.
Fühle mich überall überwacht.
Kameras, die mich sehen.
Werde von falschen Versprechungen angelacht.
Es gibt nichts, wohin ich kann unbeobachtet gehen.
So viel und doch so wenig.
Verfolgt. Verloren. Vertrieben.

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3 Blöcke befreiender Regen

Befreiender Regen

Wir ignorieren, dass das Orange der Ampel sich längst im Bach auf der Straße spiegelt. Lassen uns gerne anhupen. Nach 2 Schritten steht das Wasser in meinen Schuhen. Ich beachte den Straßenhändler nicht, der mir einen überteuerten Regenschirm anbietet. Genieße jeden einzelnen Regentropfen auf meiner Haut. Ich lächle dich an. Liebe deinen verschmitzten Blick. Also los. 3 Blöcke befreiender Regen.
So leer habe ich den Central Park noch nicht gesehen. Einzig und allein ein Brautpaar kommt uns entgegen. Sie hält ihre weißen Schuhe in der Hand und trägt stattdessen Gummistiefel. Wahrscheinlich hatten sie sich ihre Hochzeit anders vorgestellt. Aber sie lächelt, strahlt ihn an.
Wir klettern auf die Felsen, rutschen dabei ab und lachen über uns. Sind wie euphorische Kinder, als wir die beste Aussicht gefunden haben. Wir sehen in die Fensterfronten, die nun nicht mehr an den Wolken kratzen, sondern von ihnen umhüllt sind. Die merkwürdige Stille, die uns umgibt, möchte die Magie des Augenblicks unterstützen. Ich spüre deinen warmen Atem im meinem Nacken. Du wirst niemals verstehen, was mir dieser kleine Moment bedeutet. Aber ich will, dass du weißt, auch wenn das hier bald vorbei sein wird, es waren niemals bloß leere Worte.

Der Bach auf der Straße

Die rechteckigen Lichter werden kleiner

Die Schlange vor dem Glastor wird länger. Immer mehr müde New Yorker, die nach einem langen Tag froh sind, das Büro verlassen zu können, reihen sich hintereinander auf. Menschen, die glücklich sind, der Enge Manhattans zu entfliehen und die Ruhe zu Hause genießen zu können. Das kaltweiße Licht in dem Raum verdrängt die letzten Sonnenstrahlen von draußen. Um diese Uhrzeit sind hier nur noch wenige Touristen. Zumindest kommt es mir so vor.
In dem Moment, indem die Sonne erlischt, kommt die Fähre an. Ich stelle mich an die Reling und frage mich sofort, wie so viele sich ins Innere der Fähre setzen können ohne die Aussicht zu genießen. Wie schnell das Außergewöhnliche doch zur Routine wird.
Die hell erleuchteten Hochhäuser bilden auf dem dunklen Wasser eine neue, ganz eigene Welt. Diese spiegelt eine Wärme wieder, die die Stadt auf den ersten Blick gar nicht ausstrahlt. Endlich atme ich Luft ein, die nicht mehr so stickig ist, wie in den Gassen der Wolkenkratzer.
Die rechteckigen Lichter werden kleiner und kleiner, bis man die Hochhäuser schließlich zwischen den Fingern halten kann. Um alle Stockwerke zu überblicken, muss man den Blick nicht stetig nach oben richten, sondern kann ihn einfach gerade halten.
Wann hast du dich das letzte Mal von der Schönheit überwältigt gefühlt? Wann hast du das letzte Mal gelacht, bis die der Bauch wehtat? Wann hast du das letzte Mal einfach das gemacht, was du wolltest, ohne auf die anderen zu hören?
Für mich wird es wieder Zeit. Die Freiheitsstatue weist mir den Weg und ich drehe mich um. Wende mich ab von den anziehenden Leuchttürmen Manhattans, hin zur anderen Seite, in die Dunkelheit.

Rechteckige Lichter